Ein Blick über die Grenze: Dänemarks neue Freizeitboot-Initiative bringt Schwung in die politische Diskussion in unserem Nachbarrrevier
Thorsten Höge
Viele dänische Fahrtensegler verbinden ihre Mitgliedschaft bei Danske Tursejlere mit günstigen Versicherungen, Zugang zu 300 exklusiven Ankerbojen und einem lesenswerten Vereinsmagazin. Doch nun rückt ein neues Thema in den Mittelpunkt: Die politische Vertretung der Seglerinteressen – konkret mit einer umfassenden Initiative namens „Fritidsbådspakken“ (Freizeitschiffspaket).
Drei politische Kernforderungen sind im Fokus:
1. Abschaffung oder Reform der Versicherungsabgabe
Die staatliche Abgabe auf Bootsversicherungen liegt derzeit bei 1 %. Früher waren es 1,34 %. Danske Tursejlere fordert seit Jahren die vollständige Abschaffung – oder zumindest eine gerechtere Umstrukturierung. Ziel ist eine Entlastung der Bootseigner ohne nennenswerte Ausfälle im Staatshaushalt. Die Abgabe bringt dem Staat rund 100 Mio. DKK pro Jahr.
2. Einführung einer Pflicht-Haftpflichtversicherung
Faktisch haben heute bereits 87 % aller Bootseigner in Dänemark eine Haftpflichtversicherung. Eine gesetzliche Verpflichtung würde Rechtssicherheit und Schutz für Geschädigte schaffen. Vorbild: Kfz-Versicherung.
3. Zentrales Bootsregister
Ein Register soll helfen, Boote eindeutig zu identifizieren, Unfälle besser aufzuklären, Diebstahl zu bekämpfen und im Notfall schneller reagieren zu können. Kritische Stimmen befürchten Verwaltungsaufwand – doch auch hier denkt man an eine Finanzierung über die bestehende Versicherungsabgabe.
Solide Basis: Mitgliederbefragung & Bootsfahrstudie
Grundlage der Forderungen ist eine groß angelegte Bootsfahrstudie des Analyseinstituts IPSOS. Ziel war es, das Nutzungs- und Konsumverhalten im dänischen Freizeitbootsmarkt zu erfassen – und so eine belastbare Argumentationsbasis für politische Forderungen zu schaffen. Auch in Deutschland werden Themen wie Bootsregister, Versicherungspflicht und staatliche Abgaben immer wieder diskutiert – meist jedoch fragmentiert und ohne breites Meinungsbild der Wassersportler. Danske Tursejlere zeigt, wie eine koordinierte Mitgliederbefragung politisches Gewicht entfalten kann.