Berlin will seine Gewässer neu denken – und hat mit dem 2024 beschlossenen Wassertourismuskonzept eine ambitionierte Strategie vorgelegt.
Thorsten Höge
Das Ziel des neuen Konzepts: eine nachhaltige, stadtfreundliche und qualitativ hochwertige Entwicklung des Wassertourismus in der Hauptstadt.
Ein Konzept mit Weitblick
Die Berliner Wasserflächen – über 6 % der Stadtfläche – sind beliebte Erholungsräume, Tourismusmagneten, Wirtschaftsstandorte und Naturräume zugleich. Genau hier setzt das neue Konzept an. Es will Nutzungskonflikte entschärfen, Angebote verbessern, Natur schützen und die Infrastruktur nachhaltig weiterentwickeln. Der Plan gilt für einen Zeithorizont von bis zu zehn Jahren.
Was bedeutet „stadtfreundlich“?
Das Konzept versteht darunter Maßnahmen, die die Lebensqualität für Berlinerinnen, Berliner und Gäste verbessern: etwa barrierefreie Stege, leisere Antriebe, bessere Information, weniger Überlastung an Hotspots – und mehr Rücksichtnahme auf Natur und Anwohnende.
Die drei großen Handlungsfelder
Infrastruktur, Angebote und Vermarktung:
Ausbau und Pflege von Steganlagen, Rastplätzen und Ladeinfrastruktur
Förderung von E-Mobilität auf dem Wasser
Bessere Online-Buchbarkeit und Sichtbarkeit wassertouristischer Angebote
Koordination, Strukturen und Vernetzung:
Einrichtung eines zentralen Wassertourismus-Managements
Klare Zuständigkeiten für Genehmigungen und Infrastrukturprojekte
Länderübergreifende Kooperation mit Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern
Besucherlenkung, Akzeptanz und Kommunikation:
Digitale Informationssysteme mit Echtzeitdaten zur Vermeidung von Überlastung
Sensibilisierung für Umwelt-, Sicherheits- und Verhaltensregeln
Einführung eines berlinweiten Qualitätssiegels
Schlüsselvorhaben im Überblick
Fünf zentrale Projekte sollen besonders schnell umgesetzt werden:
Kommunikations- und Sensibilisierungsoffensive („Berlin-Wasser-Natur“)
Förderung von Elektromobilität im Wassertourismus
Digitale Besucherlenkung auf Wasserwegen
Monitoring und Datenerhebung für bessere Steuerung
Qualitätsvolle Infrastrukturentwicklung, z. B. bei Ver- und Entsorgung
Was heißt das für uns als Wassersportler?
Auch wenn das Konzept primär auf touristische Nutzung zielt, sind viele Maßnahmen auch für Wassersportlerinnen und -sportler relevant – besonders wenn Vereinsanlagen öffentlich zugänglich sind oder Gastlieger aufnehmen. Ein verbessertes Besucherinformationssystem, bessere Infrastruktur oder klare Regeln helfen uns allen – auf dem Wasser und an Land.
Fazit: Berlin setzt auf Qualität statt Masse
Das neue Wassertourismuskonzept zeigt, dass Berlin seine Rolle als Reiseziel mit Wasserfokus ernst nimmt – und verantwortungsvoll gestalten will. Es setzt auf Kooperation, Nachhaltigkeit und klare Strukturen. Für den KYCD heißt das: Die Hauptstadt bleibt auch künftig ein attraktives Ziel für Fahrtensegler – mit dem Anspruch, das Wasser gemeinsam und rücksichtsvoll zu nutzen.
Weitere Infos: www.berlin.de/sen/web (Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe)
Quelle: Wassertourismuskonzept Berlin, Stand September 2024